Solarthermie ist eine der ältesten solaren Technologien und trotzdem im Altbau oft unterschätzt. Während Photovoltaik in der öffentlichen Diskussion viel Aufmerksamkeit bekommt, arbeitet die Solarthermieanlage still auf dem Dach, liefert warmes Wasser und entlastet die Heizungsanlage. In vielen Altbauten ist sie eine der sinnvollsten Ergänzungen, die du mit überschaubarem Aufwand nachrüsten kannst.
In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie Solarthermie funktioniert, was sie für den Altbau konkret leisten kann und worauf du bei Planung und Förderung achten solltest.
Wie Solarthermie funktioniert
Eine Solarthermieanlage wandelt Sonnenlicht in Wärme um. Auf dem Dach montierte Kollektoren nehmen die Sonnenstrahlung auf und geben die entstehende Wärme an eine Trägerflüssigkeit, meist ein Wasser-Glykol-Gemisch, weiter. Diese Flüssigkeit zirkuliert durch einen Kreislauf und gibt ihre Wärme in einem Pufferspeicher an das Brauchwasser oder die Heizungsanlage ab.
Das Funktionsprinzip ist simpel und die Technik bewährt. Solarthermieanlagen sind seit Jahrzehnten im Einsatz und haben eine hohe Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren bei geringem Wartungsaufwand.
Was Solarthermie im Altbau leisten kann
Warmwasserbereitung
Das ist das häufigste und wirtschaftlichste Einsatzfeld. Eine für die Warmwasserbereitung ausgelegte Solarthermieanlage kann je nach Standort, Dachausrichtung und Anlagengröße zwischen 50 und 70 Prozent des jährlichen Warmwasserbedarfs eines Haushalts abdecken. Im Sommer läuft das Warmwasser oft vollständig solar, im Winter übernimmt die Heizungsanlage den Rest.
Für einen Vier-Personen-Haushalt braucht es typischerweise einen Kollektor mit etwa 4 bis 6 Quadratmetern Fläche und einen Pufferspeicher von 300 bis 400 Litern. Das ist eine überschaubare Anlage, die auf den meisten Dächern gut unterzubringen ist.
Heizungsunterstützung
Eine größere Anlage kann zusätzlich die Heizungsanlage unterstützen. Im Frühjahr und Herbst, wenn die Heizung noch oder wieder läuft, aber die Temperaturen nicht mehr so niedrig sind, liefert die Solaranlage nennenswerte Beiträge zur Raumheizung. Im Winter ist der Beitrag gering, weil die Sonnenstunden zu kurz sind und der Wärmebedarf am höchsten ist.
Eine kombinierte Anlage für Warmwasser und Heizungsunterstützung braucht deutlich mehr Kollektorfläche, oft 10 bis 15 Quadratmeter, und einen größeren Pufferspeicher. Sie ist aufwendiger in der Planung und teurer in der Anschaffung, spart aber über die Lebensdauer spürbar Heizkosten.
Welche Kollektortypen gibt es?
Flachkollektor
Der Flachkollektor ist der am häufigsten eingesetzte Typ. Er besteht aus einer flachen Absorberplatte unter einer Glasabdeckung, die in ein Gehäuse eingebaut ist. Flachkollektoren sind robust, günstig und für die meisten Anwendungen gut geeignet. Sie passen optisch gut in viele Dachflächen, weil sie flach aufliegen und sich dezent ins Dachbild einfügen.
Röhrenkollektor
Röhrenkollektoren bestehen aus einzelnen evakuierten Glasröhren, in denen sich der Absorber befindet. Das Vakuum reduziert Wärmeverluste erheblich, was sie bei niedrigen Außentemperaturen effizienter macht als Flachkollektoren. Sie sind teurer, liefern aber bei schlechten Wetterbedingungen und im Winter mehr Wärme. Für Heizungsunterstützung in Altbauten mit höherem Heizbedarf können sie sinnvoll sein.
Solarthermie Altbau – was du vorab klären musst
Dachausrichtung und Neigung
Solarthermieanlagen arbeiten am effizientesten auf nach Süden ausgerichteten Dächern mit einer Neigung von 30 bis 50 Grad. Südwest und Südost funktionieren ebenfalls gut. Reine Norddächer scheiden aus. Wenn dein Dach eine andere Ausrichtung hat, lässt sich die Anlage auf einer Aufständerung in der richtigen Neigung montieren, was aber mehr Platz und Aufwand bedeutet.
Zustand des Daches
Wenn dein Dach ohnehin in den nächsten Jahren saniert werden muss, solltest du die Solarthermieanlage besser danach installieren. Eine Anlage auf einem Dach, das kurz darauf geöffnet werden muss, wird teuer abmontiert und wieder aufgebaut. Stimme den Zeitplan ab.
Integration in die bestehende Heizungsanlage
Eine Solarthermieanlage muss in die vorhandene Heizung integriert werden. Das erfordert einen Pufferspeicher, der in vielen älteren Heizungskellern nachgerüstet werden muss, sowie einen Solarregler und entsprechende Leitungen. Ob deine bestehende Anlage kompatibel ist und wie der Anschluss aussehen soll, klärt ein Heizungsbauer oder Solartechniker bei einem Planungsgespräch.
Denkmalschutz
Bei denkmalgeschützten Gebäuden gelten ähnliche Einschränkungen wie bei der Photovoltaik. Kollektoren auf sichtbaren Dachflächen sind häufig genehmigungspflichtig. Manche Behörden akzeptieren Anlagen auf nicht von der Straße sichtbaren Dachflächen, andere lehnen sie grundsätzlich ab. Kläre das frühzeitig.
Was eine Solarthermieanlage kostet und was sie bringt
Eine Anlage zur reinen Warmwasserbereitung für einen Vier-Personen-Haushalt kostet inklusive Speicher und Installation etwa 4.000 bis 7.000 Euro. Eine größere Anlage mit Heizungsunterstützung liegt bei 8.000 bis 15.000 Euro. Die Amortisationszeit hängt stark von den Energiekosten und dem bisherigen Energieträger ab. Bei hohen Gaspreisen rechnet sich die Anlage schneller.
Solarthermie wird über das BAFA gefördert. Der Zuschuss beträgt je nach Anlage und Kombination mit anderen Maßnahmen zwischen 25 und 35 Prozent der Investitionskosten. Der Antrag muss vor dem Kauf gestellt werden. Eine Übersicht aktueller Förderprogramme findest du auf der Website der KfW-Bank.
Mein Fazit
Solarthermie ist eine ausgereifte, zuverlässige Technologie, die im Altbau gut funktioniert, wenn die Voraussetzungen stimmen. Wer sein Warmwasser teilweise solar erzeugt und damit die Heizungsanlage entlastet, spart langfristig Kosten und reduziert den Energieverbrauch. Das lohnt sich besonders dann, wenn eine neue Heizungsanlage ohnehin geplant ist und die Solarthermie von Anfang an mitgedacht werden kann.