Wer sich mit dem Thema Altbausanierung beschäftigt, begegnet früh einer Menge Halbwissen. Auf Stammtischen, in Internetforen und manchmal sogar von Leuten, die es eigentlich besser wissen sollten. Ich habe in meiner Recherche immer wieder dieselben Aussagen gehört, die mich stutzig gemacht haben.
Deshalb nehme ich hier die fünf häufigsten Altbausanierung Irrtümer auseinander. Nicht um klug zu klingen, sondern weil diese Fehlannahmen dazu führen können, dass Menschen gute Immobilien vorschnell ablehnen oder unnötige Entscheidungen treffen.
Diese 5 Altbausanierung Irrtümer halten sich hartnäckig
Irrtum 1 Denkmalgeschützte Häuser lassen sich nicht vernünftig dämmen
Das ist einer der verbreitetsten Irrtümer und führt dazu, dass viele Käufer denkmalgeschützte Immobilien direkt aussortieren. Ja, diese Objekte sind aufwendiger in der Sanierung. Aber unmöglich zu dämmen sind sie nicht.
Das entscheidende Merkmal beim Denkmalschutz ist, dass die äußere Erscheinung des Gebäudes erhalten bleiben muss. Eine Außendämmung der Fassade ist damit in der Regel nicht möglich. Was aber möglich ist: eine Innendämmung, kombiniert mit neuen, gut isolierenden Fenstern. Damit lässt sich auch in einem denkmalgeschützten Haus ein guter Wärmedämmwert erreichen.
Zwei Dinge sollte man dabei im Blick behalten. Erstens: Eine Innendämmung verkleinert die Raumfläche. Bei großzügigen Altbauten kaum spürbar, bei kleinen Grundrissen aber durchaus relevant. Zweitens: Neue Fenster müssen optisch den alten entsprechen. Das bedeutet oft Sonderanfertigungen vom Schreiner und damit deutlich höhere Kosten als bei Standardfenstern. Beides sollte man einkalkulieren.
Irrtum 2 Die Fassade muss bei jeder Altbausanierung komplett erneuert werden
Auch das ist so pauschal falsch. Ob eine Fassade saniert werden muss, hängt von ihrem tatsächlichen Zustand ab. Und der kann sehr unterschiedlich sein.
Es gibt Altbauten mit Fassaden, die über Jahrzehnte gut erhalten geblieben sind, vielleicht sogar schon einmal erneuert wurden und noch hervorragende Dämmeigenschaften haben. In solchen Fällen wäre eine Fassadensanierung reine Geldverschwendung. Ich empfehle deshalb: Fassade immer sorgfältig prüfen, am besten mit einem Bausachverständigen, bevor man eine Entscheidung trifft. Nicht jede alte Fassade ist automatisch ein Problem.
Irrtum 3 Im Altbau hat man kaum gestalterische Freiheit
Das Gegenteil ist meiner Erfahrung nach eher der Fall. Im Altbau muss man kreativ sein, und das ist genau das Schöne daran.
Der erste Schritt ist, die Grundrisse genau zu studieren. Welche Wände sind tragend, welche nicht? Nicht tragende Wände lassen sich mit überschaubarem Aufwand entfernen und ermöglichen komplett neue Raumaufteilungen. Wer dann noch Trockenbauwände einziehen kann, hat ein erstaunlich flexibles Werkzeug in der Hand.
Ich habe bei meiner Recherche immer wieder gesehen, wie aus beengten Altbaugrundissen durch gezielte Eingriffe offene, moderne Wohnräume entstanden sind. Das braucht Planung und etwas Mut, aber es ist absolut machbar. Oft sogar leichter als bei einem Neubau, wo alles von Anfang an festgelegt ist.
Irrtum 4 Für die energetische Sanierung gibt es keine staatliche Förderung
Das ist schlicht falsch, und dieser Irrtum kostet Menschen bares Geld. Es gibt eine Reihe von Förderprogrammen, die speziell für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden aufgelegt wurden.
Die bekannteste Anlaufstelle ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW. Sie unterstützt Maßnahmen wie den Einbau neuer Heizungsanlagen, die Dämmung von Dach, Wänden und Böden sowie den Austausch von Fenstern und Türen. Die Konditionen und Programme ändern sich regelmäßig, deshalb lohnt sich immer ein aktueller Blick direkt auf der Website der KfW Bank.
Zusätzlich gibt es das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das unter anderem den Einbau erneuerbarer Heizsysteme bezuschusst. Und einige Bundesländer haben eigene Förderprogramme, die man parallel nutzen kann. Wer sich hier nicht informiert, lässt Geld auf dem Tisch liegen.
Irrtum 5 Neue Elektroinstallationen erfordern zwingend aufgerissene Wände
Dieser Irrtum schreckt viele ab, dabei ist er in dieser Absolutheit nicht richtig. Ja, bei einem alten Elektriksystem ist eine Erneuerung in vielen Fällen sinnvoll. Aber dafür muss nicht jede Wand aufgestemmt werden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, neue Leitungen sauber und unauffällig zu verlegen. Kabelkanäle in Fußleisten oder Deckenleisten sind eine Option, die ohne große Eingriffe auskommt. Wer ohnehin Decken und Böden saniert, kann die Verkabelung dort direkt mitführen. An den Wänden selbst sind dann oft nur gezielte Schlitze notwendig, die im Anschluss verspachtelt und gestrichen werden.
Das erfordert gute Planung und sollte von einem Elektriker begleitet werden. Aber der Gedanke, dass eine Elektrikerneuerung automatisch eine Baustelle durch das ganze Haus bedeutet, stimmt so nicht.
Mein Fazit
Die meisten Altbausanierung Irrtümer entstehen durch pauschale Aussagen ohne Kontext. Jede Immobilie ist anders, jede Sanierung ist anders. Was für ein Objekt gilt, gilt für das nächste vielleicht überhaupt nicht.
Wer sich selbst ein genaues Bild macht, sich Fachleute hinzuzieht und Förderungsmöglichkeiten kennt, trifft am Ende deutlich bessere Entscheidungen. Und übergeht keine gute Immobilie, nur weil jemand am Tisch pauschal davon abgeraten hat.
Welche Irrtümer bist du bei deiner Recherche noch begegnet? Ich freue mich über deinen Kommentar.