Mieten oder kaufen? Diese Frage hat mich lange beschäftigt. Alle haben eine Meinung, alle wissen es besser. Irgendwann dreht man sich im Kreis.
Ich bin selbst Mieter und habe mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Nicht weil ich morgen kaufen will, sondern weil ich verstehen wollte, was diese Entscheidung wirklich bedeutet. Was ich dabei gelernt habe, möchte ich hier mit dir teilen.
Was du dir wirklich fragen solltest – bevor du zur Bank gehst
Bevor du irgendeinen Finanzierungsrechner öffnest, solltest du diese Frage ernsthaft für dich beantworten. Je nachdem, in welcher Lebensphase du steckst, hast du vielleicht noch keine klare Vorstellung davon, wo dein Leben in zehn Jahren steht. Das ist völlig normal. Ich wusste das lange Zeit auch nicht.
Du musst nicht alles im Griff haben, bevor du anfängst. Aber du solltest die folgenden Punkte wirklich durchdenken, nicht nur kurz überfliegen.
Seid ihr als Paar auf einer Wellenlänge?
Wenn du mit jemandem zusammen bist, klärt das zuerst. Noch vor der ersten Besichtigung, noch vor der Bank. Eine Immobilienfinanzierung ist eine gemeinsame Entscheidung für viele Jahre.
Wollt ihr wirklich in derselben Stadt bleiben? Habt ihr dieselbe Vorstellung davon, wie ihr in zehn Jahren wohnen wollt? Denkt auch die unbequemen Szenarien durch. Was passiert bei Jobverlust, was bei einer Trennung. Das ist keine Schwarzmalerei, das ist klug.
Ich habe diese Fragen für mich selbst durchgespielt, bevor ich anfing, mich tiefer mit dem Thema zu beschäftigen. Sie waren nicht immer bequem, aber sie haben mir Klarheit gebracht.
Der richtige Zeitpunkt
Viele warten auf den perfekten Moment. Den gibt es nicht. Die Zinsen könnten besser sein, die Preise könnten fallen, die Lage könnte sich ändern. Wer zu lange wartet, wartet oft ewig.
Wichtiger als der perfekte Zeitpunkt ist eine solide Vorbereitung. Eigenkapital aufbauen, die eigenen Finanzen kennen, realistische Vorstellungen haben. Das ist die Grundlage, auf der eine gute Entscheidung entsteht.
Vermögen aufbauen
Beim Kauf bringt dich jede monatliche Rate deinem eigenen Zuhause näher. Irgendwann gehört das Haus komplett dir und du wohnst kostenfrei. Das ist ein starkes Argument, besonders im Hinblick auf die Altersvorsorge.
Als Mieter fließt das Geld dauerhaft ab, ohne dass etwas davon einem selbst gehört. Man kann trotzdem Vermögen aufbauen, zum Beispiel über Aktien oder ETFs. Aber das erfordert Disziplin und eine Strategie, die man aktiv verfolgt. Ich kenne das aus eigener Erfahrung.
Finanzierung
Als Eigentümer geht man eine langfristige Bindung ein. Das Leben ist unberechenbar und der Kredit läuft trotzdem weiter. Es lohnt sich, verschiedene Szenarien mit einem Kreditrechner durchzuspielen, bevor man unterschreibt.
Wie viel Puffer bleibt monatlich wirklich übrig? Was passiert, wenn das Einkommen für ein paar Monate wegfällt? Das sind keine Horrorfragen, das sind Fragen, die beantwortet sein sollten, bevor man zum Notar geht.
Als Mieter ist man deutlich flexibler. Man kann kündigen, umziehen und neu anfangen, ohne große finanzielle Konsequenzen. Ich schätze diese Freiheit gerade sehr – und ich glaube, das ist ein Punkt, den viele Kaufwillige unterschätzen.
Reparaturen
Als Eigentümer ist man für jede Reparatur selbst zuständig. Heizung, Dach, Leitungen – alles liegt in der eigenen Verantwortung. Das bedeutet, man braucht Rücklagen, und zwar nicht zu knapp. Je größer das Haus, desto mehr.
Als Faustregel gilt: Etwa ein bis zwei Prozent des Immobilienwerts pro Jahr sollte man für Instandhaltung zurücklegen. Bei einem Altbau kann das schnell mehr werden. Das klingt viel, ist aber realistisch.
Als Mieter ruft man einfach den Vermieter an. Das ist bequem. Aber man hat keine Kontrolle darüber, wie schnell und wie gut etwas erledigt wird. Auch das kenne ich aus eigener Erfahrung.
Kreative Freiheit
Wer ein eigenes Haus besitzt, kann machen, was er will. Keine Erlaubnis einholen, kein Rückbau beim Auszug. Farben, Böden, Grundrisse – alles nach den eigenen Vorstellungen. Das ist mehr wert als viele denken.
Als Mieter lernt man dagegen, kreativ zu sein – aber nicht auf die schöne Art. Was man verändert, muss beim Auszug wieder rückgängig gemacht werden. Ich kenne das Gefühl, an den Grenzen der Mietwohnung anzustoßen, sehr gut. Auf Dauer ist das zermürbend.
Preise und Planbarkeit
Als Eigentümer hat man mehr Planungssicherheit. Viele Banken bieten Zinsbindungen von bis zu 20 Jahren an. Variable Kosten wie Energie und Steuern gibt es natürlich trotzdem. Gerade bei den Energiepreisen ist in den nächsten Jahren mit weiteren Steigerungen zu rechnen.
Als Mieter ist man den Mietpreisen ausgeliefert. Und die steigen. In vielen Städten haben sie sich in den letzten Jahren drastisch erhöht, und ein Ende ist nicht absehbar. Ich erlebe das selbst und es ist kein schönes Gefühl, auf Erhöhungen zu warten, auf die man keinen Einfluss hat.
Mein Fazit
Es gibt keine universell richtige Antwort auf die Frage, ob Kaufen oder Mieten besser ist. Es kommt auf die eigene Lebenssituation an, auf die Pläne, die Finanzen und ehrlich gesagt auch ein bisschen auf den eigenen Charakter.
Ich bin derzeit Mieter und habe meine Gründe dafür. Trotzdem beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Immobilien und Altbau – weil ich weiß, dass sich das eines Tages ändern wird. Und dann möchte ich gut vorbereitet sein.
Im nächsten Teil schaue ich mir die konkreten Zahlen an. Was kostet ein Hauskauf wirklich, und welche Nebenkosten kommen danach noch dazu?