Du hast deine Finanzen geklärt, passende Immobilien gefunden und jetzt steht der Besichtigungstermin an. Jetzt wird es ernst. Denn was von außen wie das perfekte Zuhause aussieht, kann sich beim genauen Hinschauen ganz anders anfühlen.
Ich beschäftige mich schon länger intensiv damit, was bei einer Hausbesichtigung wirklich zählt. Vieles davon hätte ich ohne gründliche Recherche schlicht nicht auf dem Schirm gehabt. Diese Hausbesichtigung Checkliste soll dir helfen, gut vorbereitet in den Termin zu gehen.
Bevor du überhaupt zum Termin fährst
Viele Fragen lassen sich bereits im Vorfeld klären, ohne dass man dafür erst anreisen muss. Makler haben in der Regel eine Mappe mit allen wichtigen Unterlagen, die sie vorab zusenden können. Energieausweis, Baujahr, Grundriss, letzte Sanierungsmaßnahmen – das alles lässt sich in Ruhe zu Hause durchlesen.
So kann man einige Immobilien aussortieren, bevor man überhaupt im Auto sitzt.
Die Lage zuerst prüfen
Das schönste Haus nützt wenig, wenn die Lage nicht stimmt. Ich schaue mir jede Immobilie zunächst auf Google Maps an. Liegt sie eher ländlich oder städtisch? Was befindet sich in der unmittelbaren Umgebung? Industriegebiet, Bahnstrecke, Kläranlage – das alles sieht man oft schon von oben.
Wer es genauer wissen will, fährt am besten einmal zur Stoßzeit vorbei. Ein kurzer Spaziergang im Berufsverkehr gibt ein realistisches Bild davon, wie laut und belebt die Straße tatsächlich ist. Das spart hinterher böse Überraschungen.
Renovierungsbedarf realistisch einschätzen
Der größte Kostenfaktor bei einem Altbaukauf ist der Renovierungsbedarf. Und der wird bei Besichtigungen gerne unterschätzt, weil man vom Charme des Gebäudes abgelenkt wird. Deshalb lohnt es sich, strukturiert vorzugehen.
Von außen sollte man auf den allgemeinen Zustand des Gebäudes achten. Gibt es Risse in der Fassade? Wie alt ist das Dach und ist es gedämmt? Steht das Haus unter Denkmalschutz? Das schränkt spätere Sanierungsmöglichkeiten erheblich ein. Auch asbesthaltige Baumaterialien können bei älteren Häusern ein Thema sein, gerade bei Gebäuden aus den 60er bis 80er Jahren.
Im Inneren gilt besondere Aufmerksamkeit dem Keller. Ein feuchter Keller ist ein ernstes Warnsignal und kann auf grundlegende Probleme mit der Abdichtung hinweisen. Auch Schimmel an Wänden oder Decken sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Hausbesichtigung Checkliste – Innen
Damit beim Rundgang nichts vergessen wird, gehe ich diese Punkte systematisch durch:
Passt die Zimmeraufteilung zu meinen Vorstellungen? Falls nicht, sind die Räume groß genug, um sie zu verändern? Bei Trockenbauarbeiten lässt sich einiges machen, aber das kostet Zeit und Geld.
Fenster sind ein oft unterschätzter Kostenfaktor. Alte Einfachverglasung oder undichte Rahmen bedeuten hohe Heizkosten und irgendwann eine teure Erneuerung. Der U-Wert eines Fensters sagt viel über seine Dämmwirkung aus.
Die Heizungsanlage ist einer der größten potenziellen Kostenpunkte. Eine neue Heizung schlägt schnell mit 20.000 Euro oder mehr zu Buche. Wie alt ist die vorhandene Anlage? Welches System wird genutzt? Gerade angesichts der aktuell steigenden Energiepreise ist das eine Frage, die man frühzeitig klären sollte.
Bäder sind ein weiterer Posten, den viele unterschätzen. Wer eine komplette Badsanierung plant, sollte mit mindestens 10.000 Euro pro Bad rechnen. Entspricht der bestehende Zustand nicht den eigenen Vorstellungen, muss dieser Betrag in die Gesamtkalkulation.
Küche vorhanden oder nicht? Falls nicht, kommt ein weiterer Kostenpunkt dazu, den man im Budget einplanen muss.
Fußböden und Decken geben ebenfalls Hinweise auf den Pflegezustand des Hauses. Alte Teppiche, abgeplatzte Farbe oder durchhängende Decken sind Zeichen dafür, dass schon länger wenig investiert wurde.
Den Garten nicht vergessen
Wenn die Immobilie einen Garten hat, lohnt sich auch dort ein genauer Blick. Wie ist es um die Privatsphäre bestellt? Gibt es Sichtschutz oder muss der erst geschaffen werden? Und was ist mit den Nachbarn erlaubt – Hecke, Zaun, Überdachung?
Terrassen, Wege oder ein Carport können marode sein, müssen aber kein Ausschlusskriterium sein. Ein Garten lässt sich renovieren, wenn der Rest des Hauses stimmt. Und Gartenarbeit ist einer der Bereiche, wo man auch ohne viel Fachkenntnis selbst Hand anlegen kann.
Beim Termin selbst einen guten Eindruck hinterlassen
Oft ist man nicht der einzige Interessent. Wer eine ernsthafte Absicht signalisiert, hat einen Vorteil. Das fängt schon bei der E-Mail-Kommunikation an. Eine klare, freundliche und fehlerfreie Anfrage wirkt seriöser als eine kurze Nachricht mit Tippfehlern.
Zum Besichtigungstermin empfiehlt es sich, eine Mappe mit wichtigen Unterlagen mitzubringen. Schufa-Auskunft, Gehaltsnachweise und wenn möglich eine Finanzierungsbestätigung der Bank zeigen dem Verkäufer, dass man es ernst meint.
Pünktlichkeit ist selbstverständlich. Und nach dem Termin darf man ruhig nachfragen, wie viele Interessenten es gibt und wie es weitergehen soll. Freundlich und offen, aber nie aufdringlich.
Mein Fazit
Eine Hausbesichtigung ist kein Spaziergang, sondern eine echte Prüfung. Wer strukturiert vorgeht, erkennt Probleme frühzeitig und trifft am Ende eine bessere Entscheidung. Wer sich unsicher ist, sollte einen Bausachverständigen mitnehmen. Ein paar hundert Euro für einen Experten sind gut investiert, wenn man dadurch einen teuren Fehler vermeidet.
Im nächsten Beitrag geht es darum, was nach der Besichtigung kommt und worauf man beim Kaufvertrag achten sollte.
Ein Kommentar
Wertschätzung gegenüber den jetzigen Besitzern der Immobilie ist auch immer wichtig und schön. Auch wenn einem die Einrichtung oder die Badezimmerfarbe nicht gefallen – meckern beim Besichtigungstermin kann einen auch schnell ins aus schießen 😉